Eyak - eine Sprache der athabaskischen Sprachfamilie, die früher von den Eyak, einem Indianerstamm am Golf von Alaska, gesprochen wurde, - starb am Montag, 24. März 2008 endgültig aus. An diesem Tag verstarb nämlich die letzte Sprecherin dieser Sprache, die 89-jährige Marie Jones Smith, in ihrem Haus in Anchorage, Alaska und nahm die Eyak-Sprache mit ins Grab. Obgleich Sprachwissenschaftler sich über viele Jahre hinweg in Zusammenarbeit mit Frau Smith bemühten, ihre Muttersprache für die Nachwelt aufzuzeichnen, wird Eyak wahrscheinlich nie wieder gesprochen werden.
Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird etwa die Hälfte aller 6.700 Sprachen, die heute weltweit gesprochen werden, ein ähnliches Schicksal ereilen wie die Eyak-Sprache. Die indigenen Sprachen sind hierbei am meisten gefährdet, insbesondere jene in Nordamerika (wo 90% der etwa 197 indigenen Sprachen vom Aussterben bedroht sind), Südamerika, Sibirien und Australien. In diesen Gegenden leben eine Reihe unterschiedlicher indigener Völker und Stämme, die häufig über eine eigene einzigartige Sprache verfügen.
Die häufigste Ursache für das Aussterben einer Sprache - wie beispielsweise im Fall der Eyak-Sprache - ist die Tatsache, dass nach und nach all jene, die die Sprache beherrschen, sterben. Weiterhin können seltene Sprachen verloren gehen, wenn die Gegend, in denen sie gesprochen wird, von einer Naturkatastrophe heimgesucht wird, oder wenn indigene Stämme mit dem „Weißen Mann“ Bekanntschaft machen, wie etwa im Fall von Trumai, der Sprache eines brasilianischen Stammes. Die Isolation des Trumai-Stammes endete, und eine Grippewelle im Jahr 1952 tötete mit Ausnahme von 18 Menschen sämtliche Stammesangehörige. Diese 18 Überlebenden werden wohl die letzten sein, die die Trumai-Sprache je sprechen werden, denn ihre Kinder und Enkelkinder nehmen heute die offizielle Sprache Brasiliens als ihre Sprache an. Und es sind nicht mehr genug von ihnen am Leben, um die Trumai-Sprache und Kultur an künftige Generationen weiterzureichen.
Es gibt eine Anzahl von Kriterien, nach denen eine Sprache als „gefährdet“ eingestuft wird: Zum Beispiel gibt es bei einer vom Aussterben bedrohte Sprache nur noch eine geringe Anzahl von Sprechern, die die Sprache beherrschen (einige indigene Sprachen werden heute nur noch von weniger als 120 Menschen gesprochen). Eine gefährdete Sprache hat weiterhin keine Schriftform (dies trifft auf die meisten Stammessprachen zu, die kein Alphabet haben). Das wichtigste Merkmal für das Aussterben einer Sprache ist jedoch die Tatsache, dass die Nachkommen der Sprecher die Sprache heute nicht mehr erlernen. Wenn eine seltene Sprache ausstirbt, geht mit ihr gleichzeitig alles Wissen verloren, das ihr innewohnte, sowie die Möglichkeit, ein wahres Verständnis jener Menschen zu erlangen, die diese Sprache einmal beherrschten.
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