Zahlen, die in der letzten Woche veröffentlicht wurden, weisen auf einen spektakulären Anstieg der Kosten hin, die britische Gerichte für Übersetzungs- und Dolmetschdienste tragen. In den Jahren 2004-2005 beliefen sich die Kosten für diese Dienstleistungen auf 16,7 Millionen britische Pfund. 2007-2008 stiegen die Kosten mit 29,3 Millionen Pfund nahezu auf das Doppelte an. Viele Angestellte der britischen Strafverfolgungs-, Justiz- und Verwaltungsbehörden nehmen diese Ausgaben mit Missbilligung zur Kenntnis.
Hinter der kritischen Einstellung steckt die Behauptung, dass die ansteigenden Kosten für gerichtliche Übersetzungsdienste auf die steigende Anzahl der Personen, die schlechtes Englisch sprechen, Probleme mit der Justiz haben und sich deshalb polizeilichen Untersuchungen und Gerichtsanhörungen und -prozessen unterziehen müssen, zurückzuführen sind. Viele machen die ca. 600.000 osteuropäischen Immigranten, die 2004 nach der Erweiterung der EU in Großbritannien einwanderten, für die Verdoppelung der Übersetzungskosten verantwortlich.
Studien über typische Personengruppen, die staatlich finanzierte Übersetzungs- bzw. Dolmetschdienste für gerichtliche Zwecke benötigen, liegen nicht vor. Es ist jedoch bekannt, dass sich die Löhne der Übersetzer und Dolmetscher, die von britischen Gerichten und der Polizei genutzt werden, in den letzten Jahren nicht bemerkenswert erhöht haben. Daraus lässt sich daher schließen, dass der Grund, aus dem die Kosten dieser Serviceleistungen gestiegen sind, tatsächlich die steigende Nachfrage ist.
Die Mitglieder des britischen Parlaments scheinen die Theorie, dass das Problem von den schlechten Englischkenntnissen vieler Einwanderer herrührt, zu unterstützen. Ursache und Lösung dieses Problems werden jedoch weiterhin diskutiert: Manche Abgeordnete sind der Ansicht, dass ein fester Wohnsitz in Großbritannien abhängig vom Erlernen der englischen Sprache sein sollte; andere kritisieren die britische Regierung für die Kürzung der Gelder für ESL-Programme (English as a Second Language – Englisch als Zweitsprache) und warnen, dass diese Maßnahme wahrscheinlich einer der Gründe für den Anstieg der Dolmetschkosten ist.
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