Übersetzungsanfrage führt zu Mord
posted Fri, 2009-01-09 09:07 by
In der westlichen Welt sind wir daran gewöhnt, innerhalb unserer gesellschaftlichen Infrastruktur stets auch Übersetzungen in zahlreichen Fremdsprachen zu finden. Obgleich dies bisweilen zu Diskussionen führen mag, so liegt der Grund für solche Kontroversen in der Regel in den hierfür anfallenden Kosten für Gesundheitsdienste, Polizei oder andere öffentliche Dienste. Es geht dabei jedoch nicht per se um das Recht jedes einzelnen Bürgers, in einer Gesellschaft zu leben und sich verständigen zu können, in der er oder sie möglicherweise keine ausreichenden Kenntnisse der Landessprache hat. Stellen Sie sich jedoch einmal vor, die arglose Bitte um eine Übersetzung könnte zu Ihrem Tod führen, denn genau dieses Schicksal traf letzte Woche einen jungen Mann in Somalia. Der 22-jährige Ahmadey Osman Nur, ein zur christlichen Religion übergetretener Konvertit, war zu einer muslimischen Hochzeit in Afgoye, einer etwa 30 Kilometer von der Landeshauptstadt Mogadischu entfernten Kleinstadt eingeladen worden. Den Vorsitz über die Feierlichkeiten übernahm ein örtlicher Scheich, der die Zeremonie auf Arabisch durchführte – die heilige Sprache des Islam und eine der vielen Sprachen, die im Paradies gesprochen werden. Allerdings sprach oder verstand mit Ausnahme des Scheichs keiner der Gäste Arabisch. Zum Abschluss des Rituals bat Ahmadey Nur den Scheich daher, ob er die Zeremonie kurz in Somali zusammenfassen könne, damit alle sie verstehen könnten – eine Bitte, der alle Anwesenden beipflichteten. Fatalerweise für Ahmadey Nur hatte sich der Scheich allerdings unlängst einer radikalislamischen Gruppe angeschlossen und fühlte sich durch die Bitte des „Abtrünnigen“ aufs Äußerste angegriffen. Er befahl seinen Wachen, Ahmadey Nur zum Schweigen zu bringen, und obwohl zahlreiche Gäste ihm nahelegten, das Fest umgehend zu verlassen, war Ahmadey Nur leider nicht schnell genug und wurde von den Wachen des Scheichs erschossen.



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