Gatineau, eine französischsprachige Stadt unweit von Ottawa, hat mit besorgniserregenden Entwicklungen zu kämpfen: In den letzten Jahren ist in der viertgrößten Stadt der kanadischen Provinz Québec die Anzahl der nicht-französischsprachigen „Permanent Residents“ (Einwanderer, die eine permanente Aufenthaltsgenehmigung haben) gestiegen. Dies hat einen örtlichen Bürgerverein, die Regional Association of West Quebecers, dazu veranlasst, von der Stadt Gatineau eine englische Übersetzung der städtischen Satzung zu fordern.
Dieses Ersuchen wurde wohlwollend aufgenommen, und der Stadtrat von Gatinaeu willigte ein, sämtliche Statuten, die von allgemeinem Interesse sind, bis zum Ende dieses Sommers übersetzen zu lassen. In besagten Statuten wird z. B. vorgeschrieben, wie man seinen Rasen zu wässern oder sein Auto zu parken hat – und die Englisch sprechenden Einwohner von Gatineau sind der Meinung, als Steuerzahler hätten sie das Recht, die städtischen Vorschriften in einer für sie verständlichen Fassung zu erhalten.
Doch obwohl die örtlichen Behörden dies als legitimes Ansinnen werten, scheinen andere diese Angelegenheit von einem äußerst persönlichen Standpunkt aus zu betrachten. Einige Tage, nachdem die Stadtbehörden die Übersetzungsvereinbarung mit der Regional Association of West Quebecers getroffen hatten, erhielt der Bürgerverein Drohschreiben per E-Mail. Der Verfasser behauptete, der Separatisten-Organisation Ligue de Défence Nationale anzugehören, und drängte darauf, die Versuche, die französische Sprache zu unterminieren, sofort zu stoppen. Er deutete sogar an, dass den Verantwortlichen ein bisschen „Blei im Kopf“ vielleicht „so richtig gut tun“ würde.
Obwohl im nahe gelegenen englischsprachigen Ottawa ähnliche Satzungsübersetzungen für französische Muttersprachler zur Verfügung stehen, gibt es französischsprachige Aktivisten, die der Ansicht sind, die oben erwähnte Vereinbarung würde eine ernste Bedrohung für die französische Sprache in Québec sowie seine Charta der französischen Sprache (Charte de la langue française), darstellen – und diese Aktivisten scheinen auch vor Gewalttaten nicht zurückzuschrecken. Auch wenn die meisten Übersetzungen als Mittel der besseren Verständigung unter verschiedenen Kulturen angesehen werden, macht dieser Fall doch deutlich, dass einige Radikale dies nicht unbedingt als positiv erachten – eine Haltung, deren wir uns bewusst sein sollten.
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